
Landesgeschäftsführer Volker Andresen über das Verhältnis von Verband und Unternehmen.
Wo sehen Sie die Zukunftsthemen der AWO in Schleswig-Holstein?
Volker Andresen:
Mit der Organisationsreform haben wir unsere Dienstleistungsbetriebe zukunftsfest gemacht. Jetzt geht es darum den Mitgliederverband der Arbeiterwohlfahrt weiter zu entwickeln. In den letzten Jahren haben wir uns stark um das Unternehmen AWO gekümmert. Das ist auch noch nicht abgeschlossen. Wir sind dabei, die AWO zu einer sozialen Dienstleistungsmarke zu machen. Das geht unserer Meinung aber nur in enger Verbindung mit dem Mitgliederverband.
Warum?
Volker Andresen:
Die Verbindung von Verband und Unternehmen prägt die AWO insgesamt. Das ist ein Wettbewerbsvorteil gegenüber den privaten Anbietern, die zunehmend auf dem Markt auftreten. Wir sind mit unseren Mitgliedern in jeder dritten Gemeinde präsent.
Werden Sie aber auf der Ebene der Ortsvereine nicht vor allem als Veranstalter von Kaffeekränzchen wahrgenommen?
Volker Andresen:
Unsere Ortsvereine stellen viel mehr auf die Beine als nur Kaffeekränzchen. Obwohl die auch wichtig sind. Sie haben allerdings insofern Recht, dass wir sehr mit der Seniorenarbeit identifiziert werden und die anderen Aktivitäten weniger bekannt sind. Tatsächlich ist es aber so, dass wir in vielen Gemeinden Netzwerke haben mit einer Kindertagesstätte, einer Beratungsstelle und z.B. einer Pflegeeinrichtung. In dieser vernetzten Arbeit spielen die Mitglieder und auch die Ehrenamtlichen eine große Rolle.
Sind sich Unternehmen und Mitglieder nicht mit der Organisationsreform eher fremder geworden?
Volker Andresen:
Wir haben ja einen langen Diskussionsprozess gehabt, bis wir die Beschlüsse bekommen haben, diese Strukturreform hier auch auf den Weg zu bringen. Jetzt merken insbesondere Kreisvorstände und auch einige Ortsvereinsvorstände, die sich bisher mehr oder weniger ausschließlich mit ihren Betrieben beschäftigt haben auf ihren Sitzungen, dass sie erhebliche Phantomschmerzen haben. Weil sie in den Betrieben keine Verantwortung mehr haben. Da muss ein Äquivalent her, dass dieser Bruch eben nicht passiert, diese Entfremdung, die Sie ansprechen. Das AWO-Logo muss vom Mitgliederverband mit Inhalten gefüllt werden. Natürlich von den Betrieben auch, aber in erster Linie verbindet man damit den Wohlfahrtsverband der Arbeiterwohlfahrt. Daran arbeiten wir jetzt. Wir haben eine große Ehrenamtskampagne Anfang des Jahres losgetreten, die auch noch läuft übers Land, wo viele sich dran beteiligen. Wir haben im vorletzten Jahr eine große Kampagne gemacht zur menschenwürdigen Pflege. Dieses Jahr hat eine Kampagne zur Kinderarmut begonnen. Das heißt, wir arbeiten an den uns wichtigen gesellschaftlich relevanten Themen. Das kann man auch sehr gut verbinden mit unseren Kindertagesstätten oder den Jugendhilfeeinrichtungen. So entstehen gemeinsame Wege zwischen dem professionellen und dem ehrenamtlichen Bereich.
Das Gespräch führte Carsten Tesch.